Ornithologisches Gutachten

Erfassung der Brutvögel 2015

im SPA „Auma-Aue mit Wolcheteiche und Struthbach-Niederung“

Teilfläche Frießnitzer See und angrenzendes Weideland

Bearbeiter:
Alexander Hohmuth
Trebnitz Nr. 27
D-07554 Gera

>>In Auszügen<<

1 – Ausgangssituation/Aufgabenstellung

In den Jahren 2012 bis 2014 wurde der Frießnitzer See innerhalb des SPA-Gebietes „Auma-Aue mit Wolcheteiche und Struthbach-Niederung“ durch die NABU-Stiftung renaturiert.

Der Frießnitzer See ist besonders für seine artenreiche Vogelwelt bekannt. Über 80 verschiedene Brutvogelarten, vor allem Röhrichtbewohner, Wasservögel, Limikolen und Wiesenbrüter sind hier neben anderen seltenen Tieren und Pflanzen heimisch (NABU 2012).

Für die Kontrolle des aktuellen Brutvogelbestandes wurde durch die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Greiz eine umfassende Brutvogelkartierung innerhalb des SPAGebietes „Auma-Aue mit Wolcheteiche und Struthbach-Niederung“/Teilfläche Frießnitzer See und die daran angrenzenden Grünlandflächen beauftragt. Die Ergebnisse werden in dem vorliegenden ornithologischen Gutachten dargestellt.

2 – Übersicht über das Untersuchungsgebiet

2.1 – Naturräumliche Einordnung, Geographische Lage und Schutzstatus

Naturraum

Gemäß der naturräumlichen Gliederung Thüringens gehört das Untersuchungsgebiet zu den Mittelgebirgen und befindet sich hier im Norden des Ostthüringer Schiefergebirges – Vogtland. Dem Kartendienst des BfN zufolge befindet es sich im Übergangsbereich der Ostthüringisch- Vogtländischen Hochflächen zur Saale-Sandsteinplatte.

Laut dem Landschaftssteckbrief des BfN gehört das Gebiet zur Großlandschaft der Deutschen Mittelgebirgsschwelle, das sich vom Landschaftstyp her gesehen als gehölz- bzw. waldreiche ackergeprägte Kulturlandschaft einstufen lässt.

Geographische Lage

Das Untersuchungsgebiet befindet sich in Ostthüringen im Westen des Landkreise Greiz, zwischen den Ortschaften Großebersdorf, Struth und Frießnitz. Politisch gehört es zu der Gemeinde Harth-Pöllnitz. Es hat eine Größe von 55 ha und ist fast ebenflächig. Der tiefste Punkt befindet sich am Auslauf des Frießnitzer Sees bei 305 m ü. NN. Am nördlichen Gebietsrand werden Höhenlagen von 310 m ü. NN erreicht.

Schutzstatus

Das Untersuchungsgebiet ist Teil des Thüringer EG – Vogelschutzgebietes 40 (5237-420) mit einer Gesamtfläche von 877 ha. Als Naturschutzgebiet Nr. 345 ist das Gebiet „Frießnitzer See – Struth“ mit einer Größe von 351 ha ausgewiesen. Alle Gebietsteile sind Teil des FFH – Gebietes 146 „NSG Frießnitzer See – Struth“.

2.2 – Klimatische Verhältnisse

Für das SPA – Gebiet liegen Klimadaten des Potsdamer Instituts für Klimaforschung vor (PIK 2015, siehe Abbildung 5:). Demnach beträgt die mittlere Jahrestemperatut 7,9°C und der mittlere Jahresniederschlag 656 mm. Die Anzahl der frostfreien Tage liegt bei 182 Tagen.

2.3 – Entstehungsgeschichte

Der Frießnitzer See wurde vor etwa 500 bis 800 Jahren in einer feuchten Senke durch eine Dammschüttung als Fischteich für die Karpfenzucht angelegt. Angestaut wurde der Seebach.

Die ursprüngliche Größe wird um 1800 auf 25 bis 30 ha geschätzt. Bedingt durch den Straßenneubau um 1860 von Großebersdorf nach Frießnitz wurden Teile des Gewässers trocken gelegt. Es verblieben 8,2 ha Wasserfläche. Bis vor etwa 15 Jahren wurde der Teich intensiv zu Fischzucht genutzt. Über einen Zeitraum von ca. 30 Jahren befand sich eine Hausentenmastanlage am See. Diese Nutzungen führten im Laufe der Zeit zu starken Schlammablagerungen im Gewässer, welche noch durch Einträge aus einem Vorfluter verstärkt wurden. Mehrfach fanden Entlandungsversuche mit mangelndem Erfolg statt. 2011 erwarb die NABU – Stiftung Nationales Naturerbe den acht Hektar großen Frießnitzer See und seine Umgebung, insgesamt 22,2 Hektar. Um die Artenvielfalt dort zu erhalten, ließ die NABU-Stiftung den See im Rahmen eines Revitalisierungsprojektes aufwendig sanieren. Sanierung des Gebietes erfolgt 2013 und 2014 mit Fördermitteln der Förderinitiative Ländliche Entwicklung in Thüringen, Programm „Entwicklung von Natur und Landschaft“, der Stiftung Naturschutz Thüringen und mit Eigenmitteln des NABU.

Folgende Maßnahmen wurden realisiert:

  • Ausheben und entsorgen von 94.000 m³ Faulschlamm,
  • Ertüchtigung der Zuläufe,
  • Errichtung eines Vorspeichers als Sedimentfang,
  • Errichtung 5 neuer Kleingewässer,
  • Errichtung eines Beobachtungsturms sowie von Schautafeln und
  • Initiieren eines Beweidungsprojekts mit derzeit 11 Wasserbüffeln.

2.4 – Lebensräume

Das Untersuchungsgebiet kann in die folgenden vier Lebensräume eingeteilt werden:

  • Eutrophes Stillgewässer (Fischteich) mit kleinen Inseln, Röhrichtgesellschaften mit Rohrkolben und Schilf, Fische sind hauptsächlich über Wassergräben in den Teich gelangt,
  • Extensiv beweidetetes Grünland mit einzelnen Gehölzen (Weiden, Erlen, Pappeln und Eichen) entlang des Struthbaches, Kleine Teiche, Wassergräben, Röhrichtgesellschaften mit Schilf und Rohrkolben, Beweidung mit Wasserbüffel,
  • Intensivgrünland mit Mahd in südlichen und nördlichen Randbereichen sowie
  • Kleinteiche mit größeren Gehölzen

Die Stallanlage der Wasserbüffel wurde als Sonderfläche ausgewiesen.

4.2 – Brutvögel

Legende:

  • BP/BV = Brutpaare und Brutverdacht nach EOAC-Brutvogelstatus-Kriterien B und C-Nachweise
  • Schutz:
    • B = Schutz nach BNatSchG
    • VSR = Schutz nach den Anhängend der EG-Vogelschutzrichtlinie
    • I = Anhang I der EG-Vogelschutzrichtlinie
    • § = besonders geschützte Art nach § 7 Abs. 2 Nr. 13 BNatSchG
    • §§ = streng geschützte Art nach § 7 Abs. 2 Nr. 14 BNatSchG

AmselTurdus merula (L.)
Gesamt: 5 BP
Schutz:
B: §

BachstelzeMotacilla alba (L.)
Gesamt: 1 BV
Schutz:
B: §

BekassineGallinago gallinago (L.)
Gesamt: 5 BV
Schutz:
B: §§
Gefährdung:
RLT: 1
© Foto: Pröhl/fokus-natur.de

BlässhuhnFulica atra (L.)
Gesamt: 15 BP
Schutz:
B: §
© Foto: Leo/fokus-natur.de

BlaukehlchenLuscinia svecica (L.)
Gesamt: 4 BV / BP
Schutz:
B: §
Gefährdung
RLT: 2
RLD: ungefährdet (bis 2016: V)
© Foto: Leo/fokus-natur.de

BlaumeiseParus caeruleus (L.)
Gesamt: 2 BP
Schutz:
B: §

BuchfinkFringilla coelebs (L.)
Gesamt: 3 BV
Schutz:
B: §

DorngrasmückeSylvia communis (Lath.)
Gesamt: 1 BV
Schutz:
B: §
© Foto: Leo/fokus-natur.de

DrosselrohrsängerAcrocephalus arundinaceus (L.)
Gesamt: 2 BV
Schutz:
B: §§
Gefährdung:
RLD: ungefährdet (bis 2016: V)
© Foto: Leo/fokus-natur.de

EisvogelAlcedo atthis (L.)
Gesamt: 1 BP
Schutz:
VSR: x
B: §§
© Foto: Leo/fokus-natur.de

FeldlercheAlauda arvensis (L.)
Gesamt: 4 BP
Schutz:
B: §§
© Foto: Leo/fokus-natur.de

FeldsperlingPasser montanus (L.)
Gesamt: 2 BP
Schutz:
B: §
Gefährdung
RLT: V

GartengrasmückeSylvia borin (Boddaert)
Gesamt: 2 BV
Schutz:
B: §

GebirgsstelzeMotacilla cinerea (Tunstall)
Gesamt: 1 BV
Schutz:
B: §

GelbspötterHippolais icterina (Vieillot)
Gesamt: 1 BV
Schutz:
B: §
Gefährdung
RLT: 3
© Foto: Leo/fokus-natur.de

GirlitzSerinus serinus (L.)
Gesamt: 1 BV
Schutz:
B: §

GoldammerEmberiza citrinella (L.)
Gesamt: 4 BV
Schutz:
B: §
Gefährdung:
RLD: V (bis 2016: ungefährdet)

GrünfinkCarduelis chloris (L.)
Gesamt: 1 BV
Schutz:
B: §

HaubentaucherPodiceps cristatus (L.)
Gesamt: 2 BP
Schutz:
B: §§
Gefährdung:
RLT: V
© Foto: Leo/fokus-natur.de

HöckerschwanCygnus olor (J.F.Gmelin)
Gesamt: 2 BP
Schutz:
B: §
© Foto: Leo/fokus-natur.de

Kleines SumpfhuhnPorzana parva (Scopoli)
Gesamt: 2 BV
Schutz:
VSR: x
B: §§
Gefährdung
RLT: 0
RLD: 3 (bis 2016: 1)

KnäkenteAnas querquedula L.
Gesamt: 1 BV
Schutz:
B: §§
Gefährdung:
RLT: 2
© Foto: Leo/fokus-natur.de

KohlmeiseParus major (L.)
Gesamt: 3 BP
Schutz:
B: §

KuckuckCuculus canorus (L.)
Gesamt: 1 BP
Schutz:
B: §
© Foto: Leo/fokus-natur.de

MönchsgrasmückeSylvia atricapilla (L.)
Gesamt: 3 BV
Schutz:
B: §

NeuntöterLanius collurio (L.)
Gesamt: 1 BV
Schutz:
VSR: x
B: §
© Foto: Pröhl/fokus-natur.de

NilgansAlopochen aegyptiaca (L.)
Gesamt: 2 BP
Schutz:
B; §

RabenkräheCorvus corone (L.)
Gesamt: 1 BP
Schutz:
B: §

ReiherenteAythya fuligula (L.)
Gesamt: 7 – 10 BP / BV
Schutz:
B: §
© Foto: Leo/fokus-natur.de

RingeltaubeColumba palumbus (L.)
Gesamt: 1 BP
Schutz:
B: §

RohrammerEmberiza schoeniclus (L.)
Gesamt: 17 BV / BP
Schutz:
B: §
© Foto: Leo/fokus-natur.de

SchnatterenteAnas strepera L.
Gesamt: 1 BV
Schutz:
B: §
© Foto: Leo/fokus-natur.de

SchwarzkehlchenSaxicola rubicola (L.)
Gesamt: 1 BP
Schutz:
B: §
Gefährdung:
RLD: ungefährdet (bis 2016: V)
© Foto: Leo/fokus-natur.de

SchwarzmilanMilvus migrans (Bodd.)
Gesamt: 1 BP
Schutz:
VSR:I
B: §§

StarSturnus vulgaris (L.)
Gesamt: 2 – 3 BP
Schutz:
B: §
Gefährdung:
RLD: 3 (bis 2016: ungefährdet)

StieglitzCarduelis carduelis (L.)
Gesamt: 1 BV
Schutz:
B: §
© Foto: Leo/fokus-natur.de

StockenteAnas platyrhynchos L.
Gesamt: 10 BP/BV
Schutz:
B: §

SumpfrohrsängerAcrocephalus palustris (Bechstein)
Gesamt: 6 BV
Schutz:
B: §

TafelenteAythya ferina (L.)
Gesamt: 4 BV / BP
Schutz:
B: §
© Foto: Leo/fokus-natur.de

TeichhuhnGallinula chloropus (L.)
Gesamt: 3 BV / BP
Schutz:
B: §§

TeichrohrsängerAcrocephalus scirpaceus (Hermann)
Gesamt: 7 BV / BP
Schutz:
B: §
© Foto: Leo/fokus-natur.de

TurmfalkeFalco tinnunculus L.
Gesamt: 1 BP
Schutz:
B: §§

WacholderdrosselTurdus pilaris (L.)
Gesamt: 7 BP
Schutz:
B: §
© Foto: Leo/fokus-natur.de

WachtelCoturnix coturnix (L.)
Gesamt: 1 BV
Schutz:
B: §
Gefährdung
RLT: V

WasserralleRallus aquaticus (L.)
Gesamt: 6 BP / BV
Schutz:
B: §
© Foto: Leo/fokus-natur.de

WendehalsJynx torquilla (L.)
Gesamt: 1 BV
Schutz:
B: §§
Gefährdung:
RLT: 2

WiesenschafstelzeMotacilla flava (L.)
Gesamt: 1 BV
Schutz:
B: §
© Foto: Leo/fokus-natur.de

ZwergtaucherTachybaptus ruficollis (Pallas)
Gesamt: 4 BP
Schutz:
B: §
© Foto: Leo/fokus-natur.de

4.3 – Zug- und Rastvögel

Im Untersuchungszeitraum zwischen 01.01.2015 und 31.08.2015 wurden 50 Vogelarten rastend im Gebiet festgestellt.

Folgende bemerkenswerte Beobachtungen gelangen in diesem Zeitraum:

  • Graugans: 1 Ind. am 05.07.2015 (D. Traber),
  • Krickente: 3 Ind. am 12.02.2015 (K. Lieder),
    2 Ind. am 20.03.2015 (K. Lieder),
    2 Ind. am 07.04.2015 (K. Lieder),
  • Löffelente: 1 Ind. am 06.07.2015 (I. Kinast),
  • Kolbenente: 2 Ind. am 30.05.2015 (R. Rathmann).
  • Schwarzstorch: 1 Ind. am 10.06.2015 (I. Kinast),
  • Fischadler: 2 Ind. am 29.04.2015 (K. Lieder),
    1 Ind. am 25.05.2015 (R. Rathmann),
    1 Ind. am 25.06.2015 (I. Kinast),
    1 Ind. am 26.07.2015 (I. Kinast),
    1 Ind. am 06.08.2015 (I. Kinast),
    1 Ind. am 21.08.2015 (I. Kinast).
  • Wespenbussard: 1 Ind. am 13.06.2015 (D. Höselbarth)
  • Baumfalke: 1 Ind. am 10.06.2015 (I. Kinast),
    1 Ind. am 15.06.2015 (I. Kinast),
    1 Ind. am 26.07.2015 (I. Kinast).
    Wanderfalke: 1 Ind. am 20.02.2015 (R. Rathmann)
  • Kiebitz: Anfang Juli 2015 mehrere Beobachtungen mit max. 12. Ind. Am
    07.2015 (I. Kinast).
  • Flußregenpfeifer: 1 Ind. am 13.05.2015 (M. Fichtler)
  • Großer Brachvogel: 1 Ind. am 04.07.2015 (Foto, bestimmt durch K. Lieder)
  • Flussuferläufer: 1 Ind. am 29.04.2015 (K. Lieder),
    3 Ind. am 09.07.2015 (I. Kinast).
  • Waldwasserläufer: 1 Ind. am 01.07.2015 (I. Kinast),
    1 Ind. am 02.07.2015 (K. Lieder).
  • Schwarzkopfmöwe: 1 Ind. am 27.05.2015 (R. Rathmann)
  • Mittelmeermöwe: 1 Ind. am 12.04.2015 (K. Lieder),
    2 Ind. am 19.04.2015 (K. Lieder).
  • Flussseeschwalbe: 2 Ind. am 13.05.2015 (D. Höselbarth)
  • Wiedehopf: 1 Ind. am 11.07.2015 (K. Lieder)
  • Rauchschwalbe: ca. 100 Ind. am 18.05.2015 am Schlafplatz im Schilf (K. Lieder)
  • Rohrschwirl: 1 Ind. am 29.04.2015 (K. Lieder)
  • Star: ca. 1.000 Ind. am 18.05.2015 am Schlafplatz im Schilf (K. Lieder)
  • Braunkehlchen: 1 Ind. am 29.04.2015 (K. Lieder)

5 – Beurteilung der Lebensraumqualität extensiven Grünlands

Ziel der Untersuchung war es, wie sich die extensive Beweidung der Grünlandflächen auf die Brutvogelfauna auswirkt.

Insgesamt wurden bei der Erfassung 48 Brutvogelarten mit 159 Brutrevieren im Gesamtgebiet festgestellt. Davon brüten 18 Arten mit 49 Paaren im Bereich des extensiv beweideten Grünlandes. Einige Arten sind nur Brutgäste bzw. sind an die wenigen Gehölze gebunden wie Gartengrasmücke, Amsel und Buchfink.

Für folgende Arten ist die Grünlandfläche von hoher Bedeutung:

Bekassine, Kuckuck, Neuntöter, Sumpfrohrsänger, Teichrohrsänger, Schwarzkehlchen, Blaukehlchen und Rohrammer.

Bekassine und Blaukehlchen haben hier ihren Verbreitungsschwerpunkt in Ostthüringen. Für diese Arten ist ein Mosaik von Flächen mit unterschiedlichen Vegetationshöhen (niedrige bewachsene Flächen oder Rohbodenstandorte sowie Röhrichtgesellschaften und feuchtes Grasland) erforderlich. Dieses Mosaik wird durch die extensive Beweidung mit Wasserbüffeln gewährleistet. Ob dabei schon die richtige Besatzdichte bei der Beweidung erreicht wurde, muss in den nächsten Jahren kontrolliert werden. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist der Zustand für Bekassine und Blaukehlchen optimal. Allerdings wurde die Beweidung mit 11 Wasserbüffeln erst ein Jahr durchgeführt.

Neu angesiedelt hatte sich 2015 das Schwarzkehlchen. Demgegenüber fehlen gegenwärtig noch einige Brutvogelarten:

Wachtelkönig, Kiebitz, Flussregenpfeifer, Raubwürger, Schlagschwirl, Feldschwirl und Braunkehlchen.

Diese haben in den letzten Jahrzehnten wiederholt im Bereich der Wiesen am See gebrütet.

Eine Neuansiedlung von Weißstorch, Wiedehopf und Dohle erscheint (mit einem Angebot entsprechender Nisthilfen) möglich.

Das Vorkommen von Kleingewässern unterstützt das Vorkommen von Bekassine und Blaukehlchen. Sie ermöglichen aber auch einer Reihe von Wasservogelarten ein Vorkommen in diesen Bereichen der Wiese:

Höckerschwan, Nilgans, Wasserralle, Teichhuhn und Bläßhuhn.

Das Vorkommen weiterer Arten wie Krickente, Knäkente und Löffelente ist denkbar.

Die Röhrichtzonen bieten insbesondere dem Teichrohrsänger einen Lebensraum. Auch hier ist bei günstiger Gebietsentwicklung ein Vorkommen von Zwergdommel, Rohrweihe, Bartmeise, Rohrschwirl, Feldschwirl, Drosselrohrsänger und Schilfrohrsänger möglich.

Die zukünftige Entwicklung der Brutvogelfauna hängt neben dem Beweidungsmanagement mit Wasserbüffeln auch von der erfolgreichen Bejagung von Waschbär und Rotfuchs ab. Diese Raubsäuger sind in vielen Wiesenbrütergebieten der limitierende Faktor.

Eine Gebietserweiterung der extensiven Beweidung auf benachbarte Flächen (Grünland und Acker) könnten ebenfalls positive Effekte haben.

Die Bestandsentwicklung sollte über die kommenden Jahre weiter dokumentiert werden.

6 – Zusammenfassung

Im Jahr 2015 wurden auf einer Fläche von 55 ha im SPA „Auma-Aue mit Wolcheteiche und Struthbach –Niederung“ die Brutvögel erfasst. Die Untersuchungsflächen umfassten den Frießnitzer See, angrenzende extensiv und intensiv genutzte Grünlandflächen sowie einige Kleinteiche. Insbesondere sollte die Situation im Bereich der mit Wasserbüffeln beweideten feuchten Grünlandflächen westlich des Frießnitzer Sees dokumentiert und bewertet werden.

Alle Brutvogelkarten (außer einige Entenvögel) werden mit Verbreitungskarten dargestellt.

Insgesamt wurden bei der Erfassung 48 Brutvogelarten mit 159 Brutrevieren im Gesamtgebiet festgestellt. Davon brüten 18 Arten mit 49 Paaren im Bereich des extensiv beweideten Grünlandes. Für folgende Arten ist die Grünlandfläche von hoher Bedeutung:

Bekassine, Kuckuck, Neuntöter, Sumpfrohrsänger, Teichrohrsänger, Schwarzkehlchen, Blaukehlchen und Rohrammer. Bekassine und Blaukehlchen haben hier ihren Verbreitungsschwerpunkt in Ostthüringen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist der Zustand für Bekassine und Blaukehlchen optimal. Allerdings wurde die Beweidung mit 11 Wasserbüffeln erst ein Jahr durchgeführt.

Im Untersuchungszeitraum zwischen 20.03.2015 und 07.08.2015 wurden weiterhin 50 Zug- und Rastvogelarten im Gebiet festgestellt. Die bemerkenswerten rastenden Vogelarten werden aufgelistet.