Tierökologisches Gutachten – Fledermäuse (Chiroptera) –

Zur „B175, OU Großebersdorf, Frießnitz, Burkersdorf“

2009 – 2010

Bearbeiter: Peter Endl (Dipl. Biol.)
Mörikestraße 11
70794 Filderstadt
Internet: www.peterendl.de

>>In Auszügen<<

1. Einleitung und Aufgabenstellung
Fledermäuse gelten als gute Indikatorgruppe für die Beurteilung von Eingriffen in Natur und Landschaft (s. u.a. VUBD 1998, RECK 1990). Als hochempfindliche Artengruppe zeigen sie Veränderungen in Ökosystemen an und lassen so Rückschlüsse auf die Intaktheit eines Lebensraumes ziehen. Über die komplexe Habitatnutzung und das Wanderverhalten vieler Arten ergeben sich auch großräumigere Beziehungen.

Im Laufe der Planung zur „B175, OU Großebersdorf, Frießnitz, Burkersdorf“ “sollte der Artenbestand an Fledermäusen im Umfeld des geplanten Vorhabens erfasst und bewertet werden.

4. Ergebnisse

4.1 Nachgewiesene Fledermausarten

4.1.1 Detektornachweise
Insgesamt wurden 14 Fledermausarten im Rahmen der vorliegenden Erfassung nachgewiesen. Mittels Detektorerfassung können Bartfledermausarten (Kleine Bartfledermaus, Große Bartfledermaus, Nymphenfledermaus) sowie die beiden Langohrarten (Graues Langohr, Braunes Langohr) nicht voneinander getrennt werden.

Die Kleine Bartfledermaus und das Braune Langohr wurden über Netzfänge gesichert nachgewiesen. Ein Vorkommen von Nymphenfledermaus, Großer Bartfledermaus und Grauem Langohr ist jedoch nicht auszuschließen. Damit erweist sich das Untersuchungsgebiet unter Einbeziehung des näheren Umfeldes als äußerst artenreich.
Insgesamt wurden 70 % aller in Thüringen vertretenen Fledermausarten nachgewiesen.
Sämtliche Fledermausarten gelten nach Bundesnaturschutzgesetz in Verbindung mit Anhang IV der FFH-Richtlinie als streng geschützt. Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus), Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii) und Mausohr (Myotis myotis) sind im Anhang II der FFH-Richtlinie aufgeführt.
Die Mopsfledermaus, die Bechsteinfledermaus und das Graue Langohr (Plecotus austriacus) gelten landes- wie bundesweit als stark gefährdet (Rote Liste 2). Landesweit gilt dies für Graues Langohr, Kleinabendsegler (Nyctalus leisleri), Nordfledermaus (Eptesicus nilssonii), Breitflügelfeldermaus (Eptesicus serotinus) und Rauhautfledermaus (Pipistrellus nathusii), Mausohr (Myotis myotis), Kleine Bartfledermaus (Myotis mystacinus), Fransenfledermaus (Myotis nattereri), Abendsegler (Nyctalus noctula) und Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus) sind landesweit gefährdet (Rote Liste 3). Nur die Wasserfledermaus (Myotis daubentonii) gilt als ungefährdete Art.
Insgesamt konnten 1054 Detektornachweise erbracht werden. Bei den Detektornachweisen dominiert die Zwergfledermaus mit 277 Nachweisen (26,3 % aller Nachweise). Nahezu ebenso häufig nachgewiesen wurde die Waserfledermaus mit 199.
Nachweisen (18,9 % aller Nachweise) sowie die Bartfledermausarten mit 156 Nachweisen (14,8 % aller Nachweise). Der Abendsegler wurde mit 124 Nachweisen (11,8 % aller Nachweise) belegt. Rauhautfledermaus und Breitflügelfledermaus können mit 73 bzw. 65 Nachweisen ebenfalls als häufigere Arten gewertet werden. Mäßig häufig wurden Mausohr, Fransenfledermaus, Langohrarten und Mopsfledermaus nachgewiesen. Selten wurden hingegen Bechsteinfledermaus, Kleinabendsegler und Mückenfledermaus belegt.
59 Detektornachweise konnten nur bis zur Gattung Myotis bestimmt werden. Hier ist ein hoher Anteil der Wasserfledermaus zu vermuten, da die Art abseits von Gewässern anhand der Rufe nicht sicher bestimmt werden kann. Zu berücksichtigen ist weiterhin, dass Langohrarten bei Detektorerfassungen aufgrund ihrer geringen Rufreichweiten unterrepräsentiert sind.

4.1.2 Netzfangnachweise
Insgesamt wurden während der 6 Fangtermine 36 Exemplare aus 8 Arten gefangen. Als häufigste Art bei den Netzfängen erwies sich die Wasserfledermaus (Myotis daubentonii) mit insgesamt 21 Nachweisen. Braunes Langohr, Zwergfledermaus und Kleine Bartfledermaus wurden in 4 bzw. 3 Exemplaren nachgewiesen, Abendsegler, Bechsteinfledermaus und Fransenfledermaus in je einem Exemplar.

Reproduktionshinweise über den Fang von trächtigen oder säugenden Weibchen konnten für Wasserfledermaus, Zwergfledermaus und Kleine Bartfledermaus erbracht werden. Die Netzfangnachweise sind in der nachfolgenden Tabelle dargestellt.

4.1.3 Batcordernachweise
Insgesamt wurden 19846 Einzelrufe von Fledermäusen mittels batcorder erfasst. Ca. 62 % davon sind der Artengruppe Wasserfledermaus/Bechsteinfledermaus/Bartfledermaus (Mkm – s. nachfolgende Tabelle) zuzuordnen. Hierbei ist ein sher hoher Anteil der Wasserfledermaus zu erwarten, da der größte Teil dieser Aufnahmen am Feldteich bzw. den Teichketten nördlich bzw. nordwestlich von Großebersdorf erfolgten.

4.2 Beschreibung einzelner Arten

4.2.1 Mopsfledermaus

Die Mopsfledermaus ist in Thüringen als seltene Art eingestuft. Landesweit sind 683 Vorkommen der Art bekannt (TRESS ET AL. 2009 SCHRIFTL. MITTEILUNG) mit insgesamt.
3841 Beobachtungen. Die Rasterfrequenz (belegte Messtischblätter) der Mopsfledermaus in Thüringen beträgt für die Sommerquartiere 13,75 %. Der Erhaltungszustand wird in Thüringen als schlecht eingestuft, im Untersuchungsgebiet (lokale Population) dagegen als ungünstig eingestuft. Im Untersuchungsgebiet ist sie mit 22 Nachweisen als selten bis mäßig häufige nachgewiesene Fledermausart einzustufen. Ein Winterquartier ist in einem Keller in Burkersdorf nachgewiesen (FKMOO 2009). Bemerkenswert ist die Häufung der Nachweise am nördlichen Ortsrand von Großebersdorf. Hier ist im Siedlungsbereich von einem kleineren Sommerquartier auszugehen. Bedeutsamere Jagdhabitate sind die Teichketten nördlich und nordwestlich von Großebersdorf sowie zumindest im Spätsommer die Bereiche nördlich des Felsdteichs. Als Lebensraum nutzt die Art überwiegend Waldgebiete in denen auch die Quartiere, zumeist hinter Baumrinde (Abrisse) zu finden sind. Die Mopsfledermaus gilt als wanderfähige Art, wobei die jahreszeitlichen Wanderungen zumeist bei ca. 30km liegen.

4.2.2 Breitflügelfledermaus

Die Breitflügelfledermaus ist insgesamt in Thüringen als selten bis mäßig häufige anzusehen (TRESS ET AL. 2009 SCHRIFTL. MITTEILUNG). Die Rasterfrequenz (belegte Messtischblätter) der Breitflügelfledermaus in Thüringen beträgt für die Sommerquartiere 16,25 %. Der Erhaltungszustand wird in Thüringen als ungünstig eingestuft, ebenso im Untersuchungsgebiet (lokale Population). Im Untersuchungsgebiet ist die Art mit 65 Nachweisen häufig nachgewiesen. Sommerquartierfunde sind aus den Kirchen in Großebersdorf und Burkersdorf sowie aus einem Wohnhaus in Frießnitz (Kamin) nachgewiesen. Hierbei handelt es sich jedoch Einzelnachweise bzw. kleinere Quartiere.
Die Art besiedelt überwiegend Spaltenquartiere an oder in Gebäuden. Hauptjagdhabitate sind die Siedlungsbereiche.

Breitflügelfledermaus (Eptesicus serotinus)
© Foto: Pröhl/fokus-natur.de

4.2.3 Bechsteinfledermaus

Die Bechsteinfledermaus ist in Thüringen als seltene Art einzustufen (TRESS ET AL. 2009 SCHRIFTL. MITTEILUNG). Die Rasterfrequenz (belegte Messtischblätter) der Bechsteinfledermaus in Thüringen beträgt 18,1 % (Sommerquartiere und Funde außerhalb Quartieren). Der Erhaltungszustand wird in Thüringen wie auch im Untersuchungsgebiet (lokale Population) als schlecht eingestuft. Im Untersuchungsgebiet liegen nur drei gesicherte Nachweise der Art vor (2 Detektornachweise mit Absicherung der Artbestimmung durch Sichtnachweise sowie ein Netzgang vom 23.9.09).
Sommerquartierfunde liegen vom Seebachtal südlich von Brukersdorf vor (H.Weidner in Fkmoo 2009). Die Art gilt als charakteristische, waldbewohnende Art und ist vorwiegend in Baumhöhlen sowie in Kastenrevieren zu finden. Die Jagdhabitate sind vorwiegend in den geschlosseneren Waldbereichen zu finden.

4.2.4 Wasserfledermaus

Die Wasserfledermaus ist landesweit als verbreitete und mäßig häufige Art einzustufen.
Für die Wasserfledermaus sind landesweit sind 952 Vorkommen mit 3150 Nachweisen der Art bekannt (TRESS ET AL. 2009 SCHRIFTL. MITTEILUNG). Die Rasterfrequenz (belegte Messtischblätter) der Wasserfledermaus in Thüringen beträgt in den Sommerquartieren 20,0 % bzw. 36 % außerhalb der Quartiere. Der Erhaltungszustand wird in Thüringen als günstig eingestuft, ebenso im Untersuchungsgebiet (lokale Population). Die Wasserfledermaus ist mit 199 Detektornachweisen nach der Zwergfledermaus die am häufigsten nachgewiesene Art. Sommerquartierfunde liegen aus Kastenrevieren aus dem Aumatal sowie dem Sandberg bei Harth-Pöllnitz und dem Frießnitzer See vor (H.Weidner in FMKOO 2009). Im Aumatal ist demnach auch ein Fortpflanzungsquartier nachgewiesen. Die Art wurde zudem mehrfach über Netzfänge belegt, darunter auch trächtige bzw. säugende Weibchen. Im Untersuchungsgebiet selbst wurden zahlreiche Rufe nur bis zur Gattung Myotis bestimmt, hier ist ein hoher Anteil an Wasserfledermäusen zu vermuten, gleiches gilt für die batcordernachweise. Ein Winterquartierfund liegt aus einem Keller in Burkesdorf vor. Die Wasserfledermaus besiedelt im Sommer sowohl Baumhöhlenquartiere als auch Gebäudequartiere. Sie gilt als überwiegend ortstreu. Die Flugstrecken zwischen Sommer- und Winterquartieren betragen in der Regel weniger als 50km.

Wasserfledermaus (Myotis daubentonii)
© Foto: Pröhl/fokus-natur.de

4.2.5 Mausohr

Das Mausohr wird landesweit als mäßig häufige Art eingestuft (TRESS ET AL. 2009 SCHRIFTL. MITTEILUNG). Die Rasterfrequenz (belegte Messtischblätter) des Mausohrs in Thüringen beträgt 52,8 % (Sommerquartiere bzw. 33,45 % außerhalb des Quartiers). Der Erhaltungszustand wird in Thüringen als ungünstig eingestuft, ebenso im Untersuchungsgebiet (lokale Population). Insgesamt liegen 29 Nachweise des Mausohrs vor. Die Art ist damit im Untersuchungsgebiet als selten bis mäßig häufig einzustufen.
Wochenstubennachweise aus dem näheren Umfeld liegen nicht vor. Mehrere Sommerquartiere sind aus den Kirchen in Frießnitz sowie Großebersdorf sowie aus dem Aumatal bekannt (H.Weidner in FMKOO 2009). Zwei Exemplare wurden in Netzen gefangen (Wald nördlich Frießnitzer See, Haardt südlich Burkersdorf). Ein Winterquartier ist in einem Keller in Burkersdorf nachgewiesen. Das Mausohr gilt als gebäudebewohnende und wanderfähige Fledermausart.

4.2.6 Kleine / Große Bartfledermaus / Nymphenfledermaus

Die Kleine Bartfledermaus ist als verbreitete aber nur mäßig häufige Art einzustufen (TRESS ET AL. 2009 SCHRIFTL. MITTEILUNG). Die Rasterfrequenz (belegte Messtischblätter) der Kleinen Bartfledermaus in Thüringen beträgt 32 % (Sommerquartiere bzw. 39 % außerhalb der Quartiere). Der Erhaltungszustand der Bartfledermausarten wird in Thüringen als ungünstig eingestuft, die lokale Population hingegen als günstig.
Detektornachweise dieser drei Arten lassen sich nicht trennen. Daher werden sie gemeinsam behandelt. Ein Vorkommen aller Arten ist aber für das Untersuchungsgebiet nicht auzuschließen. Für alle drei Arten bestehen aber nach wie vor größere Nachweislücken. Insgesamt sind die Bartfledermausarten mit 156 Detektornachweisen häufig nachgewiesen. Sicher nachgewiesen über Netzfänge wurde nur die Kleine Bartfledermaus (Myotis mystacinus). Eine Wochenstube wurde in der Kirche in Großebersdorf nachgewiesen (22 Exmplare in Dach Kirchenschiff). Weiterhin liegen Sommerquartiernachweise aus Frießnitz (Spalte in Fachwerkhaus nahe Kirche.
Einzelquartier) sowie aus Kastenrevieren im Aumatal vor (H.Weidner in FMKOO 2009). In Burkersdorf wurden Bartfledermäuse in einem Keller im Winterquartier belegt. Große und Kleine Bartfledermaus bevorzugen Gebäudequartiere, wobei die Große Bartfledermaus häufiger auch in Fledermaus- und Nistkästen zu finden ist. Ein gemeinsames Vorkommen beider Bartfledermausarten im selben Quartier ist offenbar auch nicht selten (WELSCH, mdl. Mitteilung 2005). Große und Kleine Bartfledermaus fliegen ganz überwiegend strukturgebunden, wie es durch die Ergebnisse dieser Untersuchung bestätigt wird. Beide Bartfledermausarten gelten als standorttreu, d.h. Winter- und Sommerquartiere liegen zumeist in engem räumlichem Verbund. Nach ZÖPHEL (in LfUG 2004) liegen jedoch für beide Arten auch Fernfunde von >100km zwischen Reproduktionsquartieren und Winterquartieren vor.

4.2.7 Fransenfledermaus

Die Fransenfledermaus ist landesweit als mäßig häufige Art einzustufen (TRESS ET AL. 2009 SCHRIFTL. MITTEILUNG). Die Rasterfrequenz (belegte Messtischblätter) der Fransenfledermaus in Thüringen beträgt 30 % (Sommerquartiere bzw. 29,97 % von Funden außerhalb von Quartieren). Der Erhaltungszustand wird in Thüringen als ungünstig eingestuft, ebenso im Untersuchungsgebiet (lokale Population). Insgesamt liegen 26 Detektornachweise und ein Netzfang der Fransenfledermaus vor. Die Art ist damit im Untersuchungsgebiet als selten bis mäßig häufig einzustufen. Die Nachweise erfolgten vorwiegend in den Hecken- und Waldbereichen bzw. in der Floßbachaue nordwestlich von Großebersdorf. Die Fransenfledermaus besiedelt sowohl Gebäudequartiere als auch Baumquartiere bzw. Fledermaus- und Vogelnistkästen.
Sommerquartierfunde liegen aus einem Kastenrevier am Frießnitzer See sowie dem Aumatal vor (H.Weidner in FMKOO 2009).

Fransenfledermaus (Myotis nattereri)
© Foto: Pröhl/fokus-natur.de

4.2.8 Abendsegler

Der Abendsegler ist landesweit als mäßig häufige Art eingestuft. Landesweit sind 869 Vorkommen der Art bekannt (TRESS ET AL. 2009 SCHRIFTL. MITTEILUNG). Die Rasterfrequenz (belegte Messtischblätter) des Abendseglers in Thüringen beträgt 18,9 % in den Sommerquartieren bzw. 34,5% für Funde außerhalb des Quartiers. Der Erhaltungszustand wird in Thüringen als günstig bis ungünstig eingestuft, im Untersuchungsgebiet (lokale Population) als ungünstig bis günstig. Insgesamt liegen 124 Detektornachweise des Abendseglers vor. Die Art ist damit als häufige Art im Gebiet einzustufen. Sommerquartierfunde liegen nur aus einem Kastenrevier im Aumatal vor (H.Weidner in FMKOO 2009).

Großer Abendsegler (Nyctalus noctula)
© Foto: Pröhl/fokus-natur.de

4.2.9 Kleinabendsegler

Der Kleinabendsegler landesweit als seltene Art eingestuft. Landesweit sind 226 Vorkommen der Art bekannt (TRESS ET AL. 2009 SCHRIFTL. MITTEILUNG). Die Rasterfrequenz (belegte Messtischblätter) des Abendseglers in Thüringen beträgt 11,6 % in den Sommerquartieren bzw. 20,2 % für Funde außerhalb des Quartiers. Der Erhaltungszustand wird in Thüringen als ungünstig bis schlecht eingestuft, im Untersuchungsgebiet (lokale Population) als schlecht. Der Kleinabendsegler ist mit 5 Nachweisen sehr selten nachgewiesen. Die Art bewohnt Baumhöhlen und gilt als wandernde Art. Sommerquartierfunde liegen nur aus einem Kastenrevier im Aumatal vor (H.Weidner in FMKOO 2009).

4.2.10 Zwergfledermaus

Die Zwergfledermaus ist landesweit als verbreitete und aber nur mäßig häufige Art einzustufen (TRESS ET AL. 2009 SCHRIFTL. MITTEILUNG). Die Rasterfrequenz (belegte Messtischblätter) der Zwergfledermaus in Thüringen beträgt 36,25 % (Sommerquartiere).
Der Erhaltungszustand wird in Thüringen als günstig bis ungünstig eingestuft, im Untersuchungsgebiet (lokale Population) dagegen als günstig. Die Zwergfledermaus ist mit 277 Detektornachweisen die am häufigsten nachgewiesene Art. 3 Exemplare wurden in Netzen gefangen. Die Zwergfledermaus besiedelt als anpassungsfähigere Art überwiegend Gebäudequartiere. Ungeachtet intensiver Quartiersuche wurde jedoch kein Sommerquartier der Art im Rahmen der vorliegenden Kartieung nachgewiesen. Lediglich Sommerquartierfunde liegen nur aus einem Kastenrevier im Aumatal vor H.Weidner (in FMKOO 2009) weist auf einen Sommerquartierfund im Aumatal hin.

Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus)
© Foto: Pröhl/fokus-natur.de

4.2.11 Rauhautfledermaus

Die Rauhautfledermaus gilt landesweit als seltene Art (TRESS ET AL. 2009 SCHRIFTL.
MITTEILUNG). Eine Reproduktion in Thrüingen ist bislang nicht sicher nachgewiesen. Die Rasterfrequenz (belegte Messtischblätter) der Rauhautfledermaus in Thüringen beträgt 7,0 % (bzw. 20% außerhalb der Quartiere). Der Erhaltungszustand wird in Thüringen als ungünstig eingestuft, ebenso im Untersuchungsgebiet (lokale Population). Die Rauhautfledermaus gilt überwiegend als waldbewohnende Art. Im Untersuchungsraum ist die Art als durchziehende Art zu werten. Dies wird durch die Häufung der Nachweise im Frühjahr und Spätsommer bekräftigt. Insgesamt ist sie mit 73 Nachweise als häufig einzustufen. Quartierfunde liegen jedoch nicht vor.

4.2.12 Mückenfledermaus

Für die Mückenfledermaus sind keine Angaben zu landesweiten Beständen vorhanden, da die Art erst vor wenigen Jahren als eigenständige Art erkannt wurde. Insgesamt zeichnet sich eine lokale Verbreitung ab. In diesen Verbreitungsgebieten kann sie dann allerdings häufig auftreten. Die Mückenfledermaus ist mit 4 Detektornachweisen und mehreren Nachweise über batcorder als sehr seltene Art einzustufen. Sommerquartiere wurden nicht nachgewiesen. Das Zugverhalten der Mückenfledermaus ist aufgrund der erst in jüngster Zeit erfolgten Arttrennung noch ungeklärt. Das Fehlen der Nachweise im Mittsommer der eigentlich sehr gut nachweisbaren Art deutet auf wandernde Tiere hin.
Quartierfunde der Art liegen nicht vor.

4.2.13 Langohrfledermäuse

Das Braune Langohr kann landesweit als häufigste und verbreitetste Art gelten.
Landesweit sind 969 Vorkommen der Art bekannt (TRESS ET AL. 2009 SCHRIFTL. MITTEILUNG). Die Rasterfrequenz (belegte Messtischblätter) des Braunen Langohrs in Thüringen beträgt 38,75 % (Sommerquartiere bzw. 32,4% außerhalb der Quartiere). Das Graue Langohr ist als seltene und nur lokal verbreitete Art einzustufen.
Der Erhaltungszustand der Langohrarten wird in Thüringen als günstig bis ungünstig eingestuft, im Untersuchungsgebiet (lokale Population) als günstig bis ungünstig (Braunes Langohr) bzw. ungünstig (Graues Langohr). Insgesamt liegen 13 Detektornachweise und mehrere batcordernachweise für die Langohrarten vor, bei vier gefangenen Tier (Braunes Langohr). Eine Unterscheidung der beiden Langohrarten im Detektor ist nach bisherigem Kenntnisstand nicht sicher möglich. Hierbei sind die Arten aufgrund der geringen Rufreichweite bei Detektorerfassungen sicherlich noch deutlich unterrepräsentiert. Für beide Langohrarten liegen Quartierfunde vor (Angaben nach H.Weidner in FKMOO 2009) so u.a. Sommerquartierfunde aus Großebersdorf, Frießnitz und Burkersdorf sowie Winterquartierfunde in Felskellern.

Braunes Langohr (Plecotus auritus)
© Foto: Pröhl/fokus-natur.de